Das Interview der Woche – mit Ev Langwald

1. Februar 2021

Hier folgt Runde 3 unserers Interviews der Woche – heute mit unserer langjährigsten Mitarbeiterin.

Wer bist du?

Hallo, ich bin Ev Langwald, 43 Jahre, verheiratet und habe eine sieben Jahre alte Tochter. Ich bin in der wunderschönen Oberlausitz geboren und wohne seit 2001 in Dresden.

Ergotherapeutin Ev Langwald
Ergotherapeutin Ev Langwald

Wie wurdest du Ergotherapeutin?

Nach meinem Abitur begann ich 1996 meine Ausbildung zur Ergotherapeutin. Ich hörte zufällig von diesem Berufsbild und fand die damalige Verbindung von Medizinischem und Kreativem sehr spannend und ansprechend. Ich wollte gern im sozialen Bereich arbeiten, gern aber auch meine kreative Seite ausleben.

Meine damalige Klasse war die erste Ausbildungsklasse der TÜV-Rheinland Akademie in Löbau als Erstausbildung (vorher gab es nur Umschüler). Da war Vieles noch nicht in den Töpfen, wo es kochen sollte. Es wurde viel ausprobiert, angepasst und Neuland betreten, denn der Beruf vom Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten befand sich immer noch in einem Entwicklungsprozess zur jetzigen Ergotherapie. Adäquate Praktikumstellen, wie heutzutage, gab es damals leider noch nicht so viele.

Schon früh im letzten Ausbildungsjahr streckte ich meine Fühler nach möglichen Arbeitsstellen aus und fand eine tolle Anstellung in einer Schweizer Rehaklinik mit Schwerpunkt Neurologie. Meine „Leidenschaft“ für diese Fachrichtung war entfacht. Hier konnte ich über die Vielseitigkeit der ergotherapeutischen Einsatzmöglichkeiten wahnsinnig viel lernen und beobachten, z. B. wie toll interdisziplinäre Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe (Ärzte, Therapeuten und Pflege) funktioniert und nur so für jeden Patienten und Klienten Sinn machen kann. Der Grundstein für mein Arbeiten war gelegt.

In der Klinik bemerkte ich jedoch nach zwei Jahren, das es mir nicht ausreicht, die Patienten nur immer für drei Wochen zu behandeln…ich wollte mehr und länger mit ihnen zusammenarbeiten. Deshalb entschied ich mich zum Wiederheimkehren und bewarb mich 2001 in Dresden bei der Ergotherapie Meyer. Nach einem „Vor-Bewerbungsgespräch“ mit Frau Meyer am Telefon war quasi alles schon in Sack und Tüten und ich kehrte zurück nach Deutschland.

Seit 2001 bin ich nun ein Teammitglied der Ergotherapie Meyer und bin in dieser Zeit mit vielen Höhen und auch Tiefen mit Leib und Seele Ergotherapeutin. Zu meiner umfangreichen fachlichen Spezialisierung im neurologischen Bereich durch viele Weiterbildungen, schloss ich 2007 zusätzlich die Ausbildung zur Handtherapeutin bei der Akademie für Handrehabilitation ab. Das funktionelle Arbeiten mit den verschiedensten Erkrankungen der Hand gefällt mir sehr.

Neben meiner therapeutischen Tätigkeit bin ich als Mentorin am Standort Dresden-Weixdorf für die praktische Ausbildung von Ergotherapie- Schülern zuständig. Das fundierte Vermitteln von Behandlungstechniken und die Zusammenarbeit mit unserem beruflichen „Nachwuchs“ finde ich sehr wichtig und bereichernd.

In welchen Situationen bist du dankbar, Ergotherapeutin zu sein?

Über die lange Zeit, in der ich nun schon in diesem Beruf arbeite, gab es viele bewegende und lustige Momente im Team und auch mit den vielen Patienten. Da sind glückliche Patienten, die sich wieder selbständig, ohne fremde Hilfe ankleiden oder wieder Auto fahren können. Der schönste liebgemeinte Satz von Patienten am Ende der Therapie ist für mich „Auf Nimmerwiedersehen“ geworden.

 Das macht unseren Beruf auch so einzigartig und abwechslungsreich. Das zeichnet unsere Tätigkeit als Ergotherapeuten aus, eine individuelle, auf den jeweiligen Patienten und Klienten angepasste Therapie. Wir werden immer wieder gefordert und das bringt uns voran.

Was bedeutet für dich moderne Ergotherapie?

Durch den CHANGE-Prozess, welcher seit 2020 in der Ergotherapie Meyer neuen Wind in unser Arbeiten mit dem Klienten bringt, fand ein großes Umdenken in meinem Kopf statt. Für mich als schon etwas „ältere“ Therapeutin, deren Ausbildung schon ein paar Jährchen her ist, bedeutete dies eine wesentliche Verhaltensänderung (zugegeben nicht ganz so einfach). „Ich nehme mich mehr zurück“, sage ich mir jeden Tag. Der Alltag des Klienten und sein selbstbestimmtes Handeln rücken mehr in den Fokus, ich gebe die volle Verantwortung an ihn und eventuell an seine Angehörige ab und dadurch gestaltet er seine Therapie eigenbestimmter. Das war erst ungewohnt für mich, aber wenn es funktioniert, ist es toll. Ich empfinde es als eine wunderbare Chance, meine therapeutische Vorgehensweise zu überdenken. Es hat mich in meiner Arbeit mit den Klienten sehr positiv vorangebracht, weil es mich auch aus einer gewissen Routine (vor allem bei Langzeitpatienten) geholt hat.

Möchtest Du noch ein paar Worte zur Arbeit in der Ergotherapie Meyer sagen?

Abschließend sage ich danke an mein Team und die vielen lieben Kolleginnen, die mich in dieser ganzen langen Zeit schon begleiten und begleitet haben und ich sage Danke an unseren Chef für die vielen Möglichkeiten der Selbstentfaltung, die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unserem Unternehmen und sein offenes Ohr für alle persönlichen und beruflichen Belange.

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