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Prothetik der oberen Extremität – wie Ergotherapeuten die Nutzung moderner Prothesen ermöglichen

11. Februar 2026 von M. Meyer0
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Der Verlust einer oberen Extremität stellt Betroffene vor erhebliche funktionelle, psychische und soziale Herausforderungen. Moderne myoelektrische Prothesen bieten heute vielfältige technische Möglichkeiten – ihr tatsächlicher Nutzen im Alltag hängt jedoch maßgeblich von einer gezielten therapeutischen Begleitung ab. Ergotherapeut:innen nehmen hierbei eine zentrale Rolle ein: Sie verbinden Technik, Funktion und individuelle Lebensrealität.


Prothetik der oberen Extremität – ein Überblick

In Deutschland betreffen Amputationen der oberen Extremität überwiegend den Finger- und Handbereich. Je nach Amputationshöhe stehen unterschiedliche prothetische Versorgungsoptionen zur Verfügung:

  • Passive Prothesen mit kosmetischem oder stabilisierendem Nutzen
  • Eigenkraftprothesen, die über Gurtsysteme gesteuert werden
  • Myoelektrische Prothesen, die Muskelaktivität zur aktiven Steuerung nutzen
  • Hybridlösungen, die mehrere Prinzipien kombinieren

Insbesondere myoelektrische, multiartikulierende Hand- und Fingerprothesen ermöglichen differenzierte Griffmuster und eine funktionelle Annäherung an natürliche Bewegungsabläufe. Gleichzeitig steigen damit die Anforderungen an Training, Anpassung und interdisziplinäre Abstimmung.


Ergotherapie im Rehabilitationsprozess

Die Rehabilitation nach Amputation folgt einem mehrphasigen Verlauf, in dem Ergotherapeuten kontinuierlich eingebunden sind:

  1. Akutphase: Unterstützung bei Stumpfversorgung, Schmerzmanagement und Einhänderstrategien
  2. Präprothetische Phase: Muskeltraining, Identifikation geeigneter Myosignale, Klärung von Erwartungen
  3. Prothesenversorgung und Grundlagentraining: Erlernen der Prothesensteuerung, Pflege und Handhabung
  4. Fortgeschrittenes Training: Integration der Prothese in komplexe Alltagsaktivitäten und berufliche Anforderungen

Ziel ist stets die größtmögliche Selbstständigkeit im Sinne der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF).


Alltagsorientierte Anpassung: Kernkompetenz der Ergotherapie

Der entscheidende Mehrwert ergotherapeutischer Intervention liegt in der Übertragung technischer Funktionen in den Alltag. Dazu gehören unter anderem:

    • Auswahl und Training geeigneter Griffarten für Aktivitäten des täglichen Lebens
    • Reduktion von Ausweich- und Kompensationsbewegungen
    • Schulung einer ergonomischen Körperhaltung
    • Anpassung der Prothesennutzung an individuelle Wohn-, Arbeits- und Freizeitkontexte

Ergotherapeuten arbeiten dabei eng mit Orthopädietechnikern zusammen, insbesondere bei der Testphase von Schaft, Handpositionierung und Steuerungsoptionen. Eine externe Alltagserprobung vor der endgültigen Versorgung hat sich als wesentlich für die langfristige Akzeptanz erwiesen.


Handprothese ÖssurTraining, Motivation und Ergebnismessung

Ein strukturiertes, stufenweises Training ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Prothesennutzung. Empfohlen werden mehrere kurze Trainingseinheiten pro Tag, ergänzt durch ausreichende Pausen. Studien zeigen, dass im Durchschnitt 20–30 Stunden individuelles Training erforderlich sind, um funktionelle Fortschritte zu erzielen. Das Training ist sehr herausfordernd, je nach Alter und kognitiver Leistungsfähigkeit des Klienten variiert die dafür benötigte Zeit.

Zur objektiven Bewertung des Therapieerfolgs kommen sowohl beobachtende Tests als auch Fragebögen zum Einsatz. Standardisierte Ergebnismessungen ermöglichen es, Fortschritte sichtbar zu machen und Therapieziele gezielt anzupassen.


Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Die optimale Versorgung von Menschen mit Arm- oder Handprothesen gelingt nur im Team. Ärzte, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker und psychosoziale Fachkräfte tragen gemeinsam dazu bei, technische Möglichkeiten sinnvoll und klientenzentriert umzusetzen. Die Ergotherapie fungiert dabei häufig als Bindeglied zwischen Technik und Alltag.


Spezialisierte Ergotherapie als Mehrwert für Zuweiser und PatientenÖssur Prothese

Moderne Prothesen der oberen Extremität entfalten ihren funktionellen Nutzen erst dann vollständig, wenn Technik, Therapie und Alltag konsequent miteinander verknüpft werden. Die Ergotherapie nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Sie unterstützt Anwender dabei, prothetische Funktionen sicher zu beherrschen und diese nachhaltig in ihre individuelle Lebensrealität zu integrieren.

In unserer Praxis haben wir uns gezielt auf die alltagsorientierte ergotherapeutische Begleitung von Menschen mit Arm- und Handprothesen spezialisiert. Mehrere unserer Ergotherapeutinnen wurden durch die Firma Össur umfassend im Bereich der myoelektrischen Prothetik der oberen Extremität zertifiziert. Seit 2025 sind wir zudem „Össur Kompetenzpartner Prothetik obere Extremität“. Diese Auszeichnung steht für qualitätsgesicherte Expertise, strukturierte Trainingskonzepte und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten und Orthopädietechnikern.

Unser Anspruch ist es, moderne Prothesentechnologie nicht nur anzuwenden, sondern sie gezielt in den Alltag unserer Klienten zu übertragen – evidenzbasiert, individuell und praxisnah.

Hinweis

Sie betreuen Patienten mit einer Arm- oder Handamputation oder planen eine prothetische Versorgung der oberen Extremität?
Gerne stehen wir Ihnen als spezialisierter ergotherapeutischer Kooperationspartner zur Verfügung – von der präprothetischen Phase bis zur langfristigen Alltagsintegration.

👉 Nehmen Sie Kontakt mit uns auf oder verweisen Sie Ihre Patienten gezielt an unsere spezialisierte Ergotherapie.
Wir beraten Sie gerne individuell und interdisziplinär.

 


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