Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote

Ergotherapie niedrigschwellige Betreuung Hände mit PuzzleJeder kennt es: Viele Menschen werden mit zunehmendem Alter vergesslich. Meist beschränkt sich dies auf das Kurzzeitgedächtnis: Namen entfallen, die Brille ist auf einmal weg, oder die Kinder bekommen Geschichten des Alltags doppelt erzählt. Diese Symptome, genau wie das Nachlassen der Konzentration oder der Denkleistung können eine Vorstufe zur Demenz sein. Alle Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Pflegegrad 1) können zusätzliche Betreuungsleistungen erhalten. Seit dem 01.01.2015 ist diese um die Möglichkeit ergänzt, niedrigschwellige Entlastungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Die niedrigschwellige Betreuung von Menschen mit eingeschränkter Sozialkompetenz, im Sinne des §45 des 11. Sozialgesetzbuches (SGB XI), bietet eine praktische Hilfe und unterstützt Angehörige. Zusätzliche Betreuungsleistungen können auch anstelle eines Teils der Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden. Diese Leistung kann jedoch nur von anerkannten niedrigschwelligen Anbietern – wie wir einer sind – erbracht werden.

Unsere Praxis ist durch den Kommunalen Sozialverband Sachsen als Leistungserbringer für niedrigschwellige Betreungsangebote anerkannt.

Inanspruchnahme von niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten

Der Zusatz “niedrigschwellig” bedeutet auch, dass die Betreuungsangebote einfach und ohne großen bürokratischen Aufwand in Anspruch zu nehmen sind. Voraussetzung ist eine Einstufung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) mindestens in Pflegegrad 1 und damit Festlegung eines Anspruchs auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Sobald für den Pflegebedürftigen ein entsprechender Bescheid der Pflegekasse vorliegt, können unsere Leistungen “gebucht” werden.

Finanzierung

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Dies gilt bereits für Pflegebedürftige mit dem niedrigsten Pflegegrad 1. Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für “qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags”. Die von uns, der Ergotherapie Meyer, angebotenen Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden als solche qualitätsgesicherten Leistungen anerkannt.

Sofern der monatliche Leistungsbetrag in einem Kalendermonat nicht oder nicht vollständig ausgeschöpft worden ist, wird der verbleibende Betrag jeweils in die darauffolgenden Kalendermonate übertragen. Leistungsbeträge, die am Ende des Kalenderjahres noch nicht verbraucht worden sind, können noch bis zum Ende des darauffolgenden Kalenderhalbjahres übertragen werden.

Immer aktuelle Informationen erhalten Sie dazu auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums.

Unsere Angebote

Niedrigschwellige Betreuung findet als Einzelbetreuung im Hausbesuch statt und ist als Entlastung für pflegende Angehörige gedacht. Folgende Betreuungsformen bieten wir an:

Wenn Pflegebedürftige Störungen der Orientierung zeigen, also z.B. nicht mehr mit Zeitangaben umgehen können, nicht mehr wissen, wo sie sich befinden, vertraute Personen nicht mehr erkennen, ist dieses Betreuungsangebot das Richtige. Das Training wird genau auf den Patienten mit seinen verbliebenen Fähigkeiten zugeschnitten. Inhalte können z.B. sein:

  • Arbeit mit dem Kalender, Eintragen von Terminen
  • Eingehen auf jahreszeitliche Ereignisse
  • Fragen zu Wochentagen, Wochenplänen, Tagesablauf… etc.
  • Beschreibung des Wohnortes, des Wohnhauses (unter Einsatz von Fotos, Postkarten, Spaziergängen… etc.)
  • eigenes Alter, Geburtsdatum, Begebenheiten früher- heute beschreiben
  • Aussehen/ Mode heute – früher
  • vertraute Personen benennen
  • Anschauen von Fotos, Nennen von Namen
  • Umgang mit Nahrungsmitteln, Besteck, Geschirr, Waschutensilien,… etc.
  • Aufstellen eines Speiseplans, Zubereitung von Essen

Zum Einsatz kommen jeweils speziell auf den Pflegebedürftigen zugeschnittene Trainingsansätze. Soweit möglich, wird die körperliche Bewegung einbezogen. Ziel dieses Trainings ist ein Erhalt der vorhandenen Fähigkeiten. Eine Verbesserung wird nur in seltenen Fällen zu beobachten sein. Gegen den dementiellen Prozess zu trainieren, ist erfahrungsgemäß nicht möglich.

Bei nachlassender Gedächtnisleistung werden durch Übungen die “grauen Zellen” angeregt. Je nach Grad der Beeinträchtigung werden von unseren Therapeuten Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad ausgewählt. Auch Biografiearbeit und Gespräche über “früher” gehören zum Gedächtnistraining.

So könnten Betreuungsstunden aussehen: Gemeinsam mit dem Erkrankten werden kleine Aufgaben, die genau auf die jeweilige Problematik zugeschnitten sind, gelöst. Dies kann in Form von Zettel-und-Stift-Aufgaben, aber auch durch Spiele, kleine Texte oder Verse erfolgen. Der Anspruch ist sehr variabel – für den noch recht „fitten“, aber depressiven Senior haben wir anspruchsvolle Aufgaben parat, die auch mal als Hausaufgaben gegeben werden können. Der Betroffene mit fortgeschrittener Demenz kann sich vielleicht an den Text eines Liedes erinnern. Oder beim Anschauen eines Fotoalbums oder Bildbandes werden Worte ins Gedächtnis gerufen. Gern werden auch Gedichte eingesetzt, bei denen der Pflegebedürftige das letzte Reimwort selbst ergänzt.

Dieses Angebot richtet sich vor allem an Betroffene im Stadium der leichten Demenz. Die beginnenden Defizite werden von den Patienten meist noch selbst wahrgenommen und der Alltag kann noch relativ eigenständig bewältigt werden. Um diesen Zustand möglichst lange aufrecht zu erhalten, wird Alltagstraining als Hilfsangebot empfohlen. Zu diesem Angebot gehören alle Punkte, die für den Betroffenen eine alltagsrelevante Bedeutung haben. Tätigkeiten des Alltags werden immer wieder “geübt”, um sie durch Routine möglichst lange im Gedächtnis zu behalten.
Hier einige Bespiele für konkrete Bausteine einer Trainingsstunde:

  • Bewegung, vorzugsweise an der frischen Luft
  • Wasch- oder Badetraining
  • Toilettengang, Einüben des Umgangs mit Inkontinenz-Einlagen
  • Körperpflege (Eincremen, Nagelpflege, Frisur herrichten usw.)
  • Zubereitung von Mahlzeiten (kochen, backen…) bzw. kleinere Hilfsarbeiten (Gemüse schneiden, Teig rühren etc.)
  • Tisch decken, Tisch abräumen
  • Geschirr spülen und abtrocknen
  • Aufrechterhaltung der selbstbestimmten Entscheidung beim Essen (z.B. Menge der Portion, Kaffee oder Tee?, mit Milch oder Zucker?)
  • Ankleiden
  • Einkaufen
  • Beschäftigung mit sinnhaltigen Tätigkeiten (z.B. Handarbeiten, Kreuzworträtsel, Musik hören, Singen, Musizieren, Betreuung von Tieren, Gesellschaftsspiele, Gartenarbeit,)

Im Umgang mit Pflegebedürftigen, die an fortschreitender Demenz leiden, gibt es zahlreiche Punkte, wo kompetente Beratung ansetzen kann, wie u.a.:
Hilfsmittelberatung, Umgang mit der Erkrankung, Durchführung von Transfers, Lagerung von Bettlägerigen, Informationsvermittlung zu Hilfsangeboten

Im Rahmen von Hausbesuchen wird die Wohnumgebung des Patienten auf mögliche Sturzgefahren analysiert und gemeinsam mit den Betreuungspersonen Lösungsstrategien erarbeitet. Wenn Sie Informationsbedarf zu unseren Angeboten haben, kommen Sie einfach auf uns zu!

Unter Begleitung von zwei Therapeuten wird eine leicht begehbare Wegstrecke mit wechselnden Zielen im Zeitrahmen von zwei Stunden Gehzeit bewältigt. Interessierte Wanderer sind nicht nur Pflegebedürftige mit Demenz, sondern auch ältere Personen, die die Teilnahme an der Wanderung privat finanzieren. Alle Beteiligten profitieren von der gemeinsamen sportlichen Betätigung. Bei jeder Wanderung wird auch zur Anregung des Geistes durch unsere Therapeuten gesorgt. Die schöne Dresdner Heide und die Umgebung unserer Praxen bieten viel Stoff zur Beschäftigung mit geschichtlichen Details, die den Wanderern nahe gebracht werden. Wann und wo wir wieder unterwegs sind, erfahren Sie am einfachsten in unserem Kalender.

Sie sind über 70 Jahre alt und wollen beweglich bleiben? Der Erhalt ihrer Gedächtnisleistung ist Ihnen wichtig? Sie haben Angst zu stürzen?
Dann laden wir Sie zum Training in unserer „Bewegungsgruppe 70 plus“ ein. Wir bieten eine Kognitions- und Bewegungsgruppe in angenehmer Atmoshäre in kleiner Gruppe in Ihrer Nähe an. Diese wird von einem speziell geschulten Trainier angeleitet. Die Gruppe ist bei den Pflegekassen als Betreuungs- und Entlastungsangebot für betreuende Angehörige zugelassen und bietet nachhaltige Unterstützung und Begleitung der Teilnehmer und ihrer Angehörigen. Im Vordergrund unseres Angebotes stehen Spaß an der gemeinsamen Bewegung und die Möglichkeit, sich mit anderen austauschen zu können.


Preisliste niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote

Das geforderte Entgelt für eine Stunde Betreuungsleistung beträgt durchschnittlich mit Hausbesuch 40€, ohne Hausbesuch 35€.

Im Einzelfall berechnen wir wie folgt:

Leistung
30 min
45 min
60 min

Einfaches Orientierungstraining
22,00€
28,00€
35,00€

Einfaches Gedächtnistraining
22,00€
28,00€
35,00€

Alltagstraining
22,00€
28,00€
35,00€

Anti-Sturz-Training
22,00€
28,00€
35,00€

Rollator-Training
22,00€
28,00€
35,00€

Einfache Beaufsichtigung
20,00€
25,00€
30,00€

Zusätzlich berechnen wir für den Einsatz im Hausbesuch eine Pauschale wie folgt:
Hausbesuchspauschale für Entfernung vom Praxisstandort bis 5 km: 3,00€
Hausbesuchspauschale für Entfernung vom Praxisstandort von 5 bis 20 km: 5,00€
Hausbesuchspauschale für Entfernung vom Praxisstandort von mehr als 20 km: Festlegung im Einzelfall

Die Beratung für pflegende Angehörige wird nach Zeiteinsatz wie folgt abgerechnet:

30 min – 22,00€
45 min – 28,00€
60 min – 35,00€
120 min – 65,00€

Gruppenbetreuung
Therapeutisch geführte Wanderung, 120 min.: 14,00€ pro Wanderung
Bewegungsgruppe 70+, 60 min.: 7,00€ pro Teilnahme

Die Abrechnung unserer Leistungen erfolgt ein mal monatlich. Es ist die Abrechnung direkt mit dem Versicherten bzw. Angehörigen, sowie die Abrechnung mit der Pflegekasse möglich. Bei Abrechnung mit der Pflegekasse ist die Unterzeichnung einer Abtretungserklärung erforderlich, die als Formular durch uns zur Verfügung gestellt wird.

Infobroschüre zum Thema niedrigschwellige Betreuung herunterladen