Neuerungen im Bereich zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Frühstückshilfe

Frühstückshilfe

Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz hat sich ab dem 01.01.2015 in den zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen einiges geändert. Bis Ende 2014 konnten nur Demenzpatienten bzw. psychisch Kranke mit eingeschränkter Alltagskompetenz die zusätzlichen Betreuungsleistungen/Entlastungsleistungen gemäß § 45b SGB XI in Anspruch nehmen. Seit Beginn des Jahres 2015 können auch unter bestimmten Voraussetzungen andere pflegebedürftige Menschen diese Leistungen beantragen.

Die frühere Regelung bedachte lediglich bei Demenzpatienten den erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung. Jetzt sind die Leistungen wesentlich ausgeweitet worden.

Wie hoch sind die Betreuungsleistungen/Entlastungsleistungen?

Die Leistungen werden nicht nach der Einstufung der Pflegestufe bezahlt, sondern nach der Schwere der Einschränkung der persönlichen Alltagskompetenz. Auf die Kriterien für die Beurteilung  der Einschränkung der persönlichen Alltagskompetenz wird im späteren Text eingegangen.

Pflegestufe Leistungen 2014 Leistungen 2015
I – III / ohne erheblich EA* 0 €uro 104 €uro
I – III / mit dauerhaft erheblich EA*, der zur Inanspruchnahme des Grundbetrages berechtigt 100 €uro 104 €uro
I – III / mit dauerhaft erheblich EA*, der zur Inanspruchnahme des erhöhten Betrages berechtigt 200 €uro 208 €uro

EA* = eingeschränkte Alltagskompetenz

Wer beurteilt die Einschränkung der persönlichen Alltagskompetenz?

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen  (MDK) legt fest, ob eine Einschränkung der persönlichen Alltagskompetenz vorliegt. Die eingeschränkte Alltagskompetenz ist nicht zu verwechseln mit der Härtefallregelung.

Welche Leistungen können mit diesen Geldern bezahlt werden?

Der Betrag wird nach Zuerkennung nicht einfach nur überwiesen, sondern muss zweckgebunden sein. Bezahlt werden können damit unter anderem Leistungen für

  • Kurzzeitpflege
  • Verhinderungspflege
  • teilstationäre Pflege wie Tagesbetreuung (Tagespflege) oder Nachtpflege
  • ambulante Pflegedienste
  • anerkannte niedrigschwellige Angebote
  • anerkannte Haushalts- und Serviceangebote
  • Alltagsbegleiter
  • nach Landesrecht anerkannte ehrenamtliche Helfer

Die Ergotherapie Meyer UG mit ihren beiden Standorten in Dresden-Weixdorf und Dresden-Klotzsche ist vom Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) als Erbringer für niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsleistungen zugelassen.

Was sind niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote?

Die Betreuungsangebote können sehr vielfältig sein und sollen pflegende Angehörige entlasten. Hier einige Beispiele für Angebote, die durch die Ergotherapie Meyer erbracht werden können:

  • einfaches Orientierungstraining – Individuelle Hilfen für Organisation und Bewältigung des Alltags
  • einfaches Gedächtnistraining – Anregung der „grauen Zellen“ z.B. durch Zeitungsschau, Biografiearbeit, gemeinsame Spiele, Gespräche über „früher“, Lesen von Büchern, Zeitungen usw.
  • Alltagstraining – Durchführung von Tätigkeiten des Alltags mit Begleitung, wie z.B. Behördengänge, Einkaufen, Besuch des Friedhofes
  • Beschäftigungs-Angebote, wie z.B. gemeinsames kreatives Arbeiten
  • geführte Spaziergänge in der Gruppe
  • Beratung und Schulung von pflegenden Angehörigen (z.B. im Umgang mit der Erkrankung, als Hilfsmittelberatung – u. a. Rollator-Training, zur Lagerung von Bettlägerigen und Durchführung von Transfers zwischen Bett und Rollstuhl)
  • Sturzprävention – Analyse der Wohnumgebung  und Erarbeitung von Lösungswegen zur Verringerung der Sturzgefahr

Muss ein Antrag auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen gestellt werden?

Ja!
Um die niederschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch nehmen zu können und die oben angeführten Leistungen auch bezahlt zu bekommen, muss ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse/Krankenkasse gestellt werden.

Um die Kosten erstattet zu bekommen, müssen die Rechnung des anerkannten Leistungserbringers der Pflegekasse vorgelegt werden. Alternativ können wir als Leistungserbringer auch direkt mit der Pflegekasse abrechnen. Dazu wird im Vorfeld eine sogenannte „Abtretungserklärung“ unterzeichnet.

Die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen sind Kostenerstattungen, das heißt, die anerkannten Beträge werden nicht frei ausbezahlt sondern sind mit Rechnungen zu belegen. Nur die tatsächlich entstandenen und belegten Kosten werden erstattet.

Kombileistung

Ab dem 01.01.2015 besteht die Möglichkeit, 40 % der zustehenden Sachleistungsbeträge auch für niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen. Und dies zusätzlich zu den anerkannten Betreuungs- und Entlastungsleistungen von 104 oder 208 €. Wer also seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen nicht immer ausschöpft, kann in Zukunft für dieses Geld Unterstützung aus den oben genannten Betreuungs- und Entlastungsangeboten in Anspruch nehmen und so vielleicht in der Zeit eines Urlaubs von pflegenden Angehörigen zeitlich intensivere Betreuung „buchen“.

Müssen die zustehenden Beträge in einem Jahr verbraucht werden?

Nein!

Die Pflegekassen räumen die Möglichkeit ein, nicht in Anspruch genommene Leistungen in das nächste Kalenderjahr zu übertragen. Meist verfallen Ansprüche des Vorjahres erst zum 30.06. des Folgejahres.

Wie erfolgt die Bewertung dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz?

Wer eine festgestellte und bescheinigte eingeschränkte Alltagskompetenz hat, erhält seit 2015 monatlich 104 Euro. Mit einer dauerhaft erheblichen eingeschränkten Alltagskompetenz sogar 208 Euro.

Für die Bewertung einer dauerhaft erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz in der häuslichen Pflege sind nachfolgend aufgeführte Kriterien ausschlaggebend. Es müssen wenigstens 2 Schädigungen oder Fähigkeitsstörungen und mindestens eine davon im Bereich 1. bis 9. zutreffen, um eine dauerhaft erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz vom Gutachter bestätigt zu bekommen.

  1. unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz);
  2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen
  3. unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen;
  4. tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation
  5. im situativen Kontext inadäquates Verhalten
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen;
  7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung
  8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben;
  9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus
  10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen
  12. ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  13. zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression.

Sie haben Interesse an der Inanspruchnahme von niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten?

Wir beraten Sie gern. Bitte kommen Sie auf uns zu…

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